Energie-Cités ist ein Verband europäischer Städte, Kommunen und Netzwerke mit dem Ziel, eine nachhaltige lokale Energiepolitik zu fördern; die Stadt Ettlingen ist eines der neun deutschen Mitglieder. Der folgende Vorschlag ist vor dieser erklärten politischen Zielsetzung nachhaltiger Stadtentwicklung zu verstehen.
01 Vorgefunden_ Baustruktur
Das gegenwärtig überbaute Grundstück ist geprägt von angrenzenden charakteristischen Baustrukturen: Richtung Stadtzentrum schließen dichte mittelalterliche Blockstrukturen an; Gassen führen von der Hauptstraße zur Alb. Richtung Schwarzwald folgen große Industriegebäude; der Weg ins Albtal wird von ihnen begleitet.02 Für notwendig befunden_ Durchblicke/Lärmschutz
Qualitäten der Situation resultieren aus der Lage zwischen Stadt und Natur: die Innenstadt wie der ÖPNV-Anschluss sind fußläufig erreichbar, die Alb, der Watthaldenpark wie der Schwarzwald bieten schnell erreichbare naturnahe Freiräume. Der Fluss im Norden des Grundstücks erfordert Durchblicke und Durchgänge zu Alb und den Bergen, die Industrie im Osten dagegen Abriegelung aus Schallschutzgründen.03 Eingefügt _ Nachhaltige, kompakte Stadt
Neue Baufelder nehmen die Struktur der dichten mittelalterlichen Stadt auf und orientieren sich in ihrer Dimension an der Maßstäblichkeit der benachbarten Industrie. Gassen erlauben Durchgänge, Durchlüftung und Durchblicke zur Alb und auf die Ausläufer des Schwarzwaldes. Das östliche Feld grenzt akustisch wie optisch zur Industrie ab.
04 Hinübergerettet _ Nachhaltige Stadt mit Geschichte
Stellvertreter der Vergangenheit schaffen Identität: ein verschütteter Kanal, ein historisches Gebäude der Holz- und Papierindustrie – erzählen von der alten Stadt. Der Kanal wird wieder sichtbar gemacht, indem er in Fortsetzung der Kanalstraße als <Kanalweg> die Baufelder durchquert. Gekennzeichnet als Wasserlauf (vgl. Freiburger Bächle) führt er von der Kirche St. Martin über einen Spielplatz hinein auf den <Holzplatz> ins Quartier. Er verbindet damit bestehende und neue Stadt. „Bretterstapel“ erinnern an die Flößerei auf der Alb, die Namensgebung bildet gedankliche Brücken zu vergangenen Aktivitäten. Das historische Ziegelgebäude - Cafe, Quartierszentrum und Gästehaus - bestimmt die Lage des Quartiersplatzes mit Blick auf den Kirchturm, übernimmt aber auch die Rolle eines Ausflugszieles an der Alb.05 Angepasst_ Nachhaltige vernetzte Stadt / zwei Entrees
Im Norden wie im Süden bilden „Vorplätze“ Puffer zur Umgebung und die Vernetzung zur Stadt: an der Schöllbronner Strasse weichen die Gebäude zurück, ein städtisches Entree mit Läden, Büroflächen, Supermarkt und Jugendaktivplatz auf dem Dach öffnet sich. Im Norden liegt zwischen Quartier und Alb ein grünes Foyer, eine leicht abfallende, von Bäumen bestandene Grünfläche, Rastplatz auf der Paddeltour oder Erholungsraum für die Bewohner. Der von der Stadt kommende Albwanderweg führt über eine Brücke, überquert die grüne Insel und wird fortgesetzt auf einem Steg, der an der Mauer von Bardusch verankert über der Alb schwebt.Die vier Baustreifen reagieren auf die unterschiedlichen Randbedingungen in Funktion, Typologie Bebauungshöhe. Die wertvollen und besonderen Randlagen - zur Stadt und zum Fluss - werden viergeschossig, die Regel dazwischen dreigeschossig bebaut.
06 Behütet von der Stadtplanung_ Gassen, Plätze, Albgrün
Qualitätvoller öffentlicher Raum umgreift verkehrsfrei die dicht bebauten Baufelder. Die Gassen verbinden die städtische Straßenwelt im Süden mit dem Albufer und dem Weg in die Landschaft. Sie werden je nach Ziel, Ausblick oder Frequentierung geöffnet und verengt; Materialität (Kontinuität Altstadt), Ausstattung und vor allem der Gassenraum im Profil wird gesteuert. Jede Gasse hat einen charakteristischen Querschnitt: die <Stapelgasse>, vom Supermarkt zum Holzplatz häufig frequentiert, öffnet sich zum Himmel durch private Erschließungswege im 1. OG. Die Wohngebäude in der <Enggasse> springen im 1. OG in den Straßenraum, verengen das Wegprofil und schaffen einen intimen Charakter. Die dritte Gasse, teilweise nur einseitig bebaut weitet sich zum Fluss, die Gebäudekanten fassen ruhig den Raum. Um die Freiräume allgemein nutzen zu können, ist der ruhende Verkehr in die Baukörper integriert.Vergeben an Investoren / Baugemeinschaften_ Baufelder
Baufelder mit verschiedenen Rahmenbedingungen können an unterschiedliche Investoren vergeben werden; Vorgaben betreffen Höhe, Dichte, Material oder Gassenprofile. Alle Baufelder werden dicht und gemischt genutzt bebaut: grüne Zimmer - Höfe, Atrien, Loggien und Dachterrassen - ersetzen Privatgärten. Plätze, Gassen, Freiflächen an der Alb, der Park wie der Schwarzwald bieten weiteren Ausgleich. Die Parkierung ist situationsorientiert unterirdisch, halbgeschossig eingesenkt oder ebenerdig anfahrbar. Belebte Zonen – Wohnküchen, Arbeitsräume, behindertengerechte kleine Wohneinheiten – umhüllen die Stellflächen zu den Gassen. Der halbgeschossige Versatz erlaubt Varianz der Raumhöhen in den Wohneinheiten.



