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Wohnbebauung, Pforzheim

Art Mehrfachbeauftragung, 2008
Ort Pforzheim
Auslober Evangelische Markusgemeinde, Pforzheim
Bearbeiter Henning Baurmann, Martin Dürr, Caroline Gaiser, Nora Schmidt, Steffi Gerstenberg
Fachberater Susanne Dürr
Modellbau Christiane Weis, Sandrine Roth
Visualisierung Stuchlik 3D
Platzierung 1. Rang

Vier Häuser, vier Höfe – vier Maisonetten, vier Penthousewohnungen – vier Baugemeinschaften, acht Wohnungen, eine Baugruppe – das beschreibt verkürzt unser Konzept für die Bebauung des Pfarrgeländes neben der Markuskirche an der Gerwigstraße in Pforzheim.

Um das schöne Hanggrundstück und den weiten Blick optimal auszunutzen, stehen die vier Baukörper orthogonal zur Straße; trotz einer dem Stadtteil angemessenen Dichte ermöglichen sie durch ihre Stellung zueinander die Ausbildung privater, ungestörter Freiräume. Dabei zeigen sie sich nach Außen deutlich als Gemeinschaft, allerdings mit individueller Adressbildung durch vorgelagerte Höfe.

Vier Kuben schieben sich über eine gemeinsame Hofmauer, die auch Carports, Abstellbereiche und Sitzmöglichkeiten ausbildet, durchzogen von einer internen Spielstraße. Hier können Kinder, vom Straßenverkehr geschützt und doch im Siedlungsraum präsent, spielen. Zugleich definieren diese halböffentlichen Außenräume die Adresse jeder Baugemeinschaft und individualisieren damit das einzelne Haus.

Aufgeteilt in eine untere Maisonettewohnung und eine obere Penthousewohnung, verfügt jedes Haus über private Freiflächen – auf der Dachterrasse wie im Gartenhof. Das Pfarrhaus bildet den Kopf der Anlage aus und vermittelt zwischen den verschiedenen Ebenen Richtung Kirche; es verfügt zusätzlich auf der unteren Ebene über ein Büro, das vom Kirchplatz aus zugänglich ist. Die obere Wohnung hat ihren Zugang ebenfalls vom Eingangshof an der Gerwigstraße aus; damit werden die beiden Wohnungen zu eigenständigen, gestapelten Haushälften. Das Gefühl, auf der Etage zu wohnen, wird den Bewohnern fremd sein, gemeinsame Eingänge und Treppenhäuser werden vermieden.

Typologisch sind viele Grundrissvarianten denkbar; wir haben uns darauf beschränkt, beispielhaft eine Aufteilung darzustellen. Es wird Aufgabe der Baugruppe sein, innerhalb des vorgegebenen baulichen Rahmens mit den einzelnen Baugemeinschaften zusammen individuelle Grundrisse zu entwickeln. Die Ausbildung ungleich großer Wohnungen scheint uns sinnvoll, ist aber nicht zwingend. Letztlich bestimmt die Baugruppe den Verteilungsschlüssel.

Die Häuser sind als massive Mauerwerksbauten geplant; im unteren Teil werden sie hell verputzt, während die überkragenden Kuben ortstypisch mit Holzschindeln verkleidet werden. Türen und Fenster werden aus Lärchenholz gefertigt, um die Häuser in die lokale Bautradition des Schwarzwalds einzubinden. Einige Räume verfügen über Oberlichter, was ein Höchstmaß an Intimität bei gleichmäßiger Belichtung ermöglicht. Die flachgeneigten Dächer werden begrünt.

Sofern die gewässerrechtlichen Voraussetzungen bestehen, sollten die Häuser über Sole-Wasser-Wärmepumpen beheizt werden; Brauchwasser könnte solarunterstützt erwärmt werden. Das anfallende Niederschlagswasser wird zentral gesammelt, natürlich gefiltert und in einer gemeinsamen Zisterne zur Gartenbewässerung gespeichert; es gelangt kein Regenwasser in die Kanalisation. Sämtliche Baustoffe werden unter den Aspekten Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit bewertet.

Der Platz zwischen Kirche, Gemeindesaal und Pfarrhaus wird vom Glockenturm der Markuskirche beherrscht und bindet in die Markusstaffel ein. Die spannende Durchwegung beginnt vor der Kirche auf der Gerwigstraße, führt über den tiefer gelegenen Zugang am Glockenturm vorbei auf den neugeschaffenen Platz und folgt dann entlang des Spielplatzes über einzelne Treppen dem Hang bis zur Redtenbacherstraße. Ein zweiter Treppenweg soll das Grundstück nach Westen begrenzen.

Die gemeinschaftliche Grünfläche hinter den Häusern ist von beiden Seiten erschließbar.

Die gemeinschaftliche Anlage bietet ein Höchstmaß an Individualität, ohne auf die Vorzüge gemeinsamen Bauens und Handelns zu verzichten. Insbesondere sind uns Aspekte der sozialen Nachbarschaft, der Nachhaltigkeit und der Verantwortlichkeit wichtig. Städtebaulich fordert der Entwurf zu erhöhter Sensibilität gegenüber der baulichen Qualität der Umgebung auf.